500km elektrisch – ein erster Eindruck

Ich bin Tesla-Fan, auch wenn ich einen der genialen Tesla Model S wohl kaum in absehbarer Zeit fahren oder besitzen werde. Da kam die Mitteilung von Renault gerade recht, eine ZOE für 48 Stunden kostenlos zu testen, im Alltag sozusagen. Und da in 2017 die neue Variante mit 41kW Akku und Marketing taugliche 400km Reichweite auf den Markt kam,  waren jegliche Bedenken verflogen, im Hinblick auf einen kleinen Wochenendausflug.

Dass es in der Realität 25-30% weniger sind, braucht man kaum erwähnen, ist diese Tatsache ja bereits aus der Benzin- und Dieselfraktion leidlich bekannt.

Also schnell Termin vereinbart und ab zum Renault Händler. Samstag Vormittag ging die Übergabe schnell und unbürokratisch vonstatten, hatte uns der Händler zunächst eine ZOE mit 22kW Akku angeboten, konnten wir nach kurzer Besprechung unserer Tourvorgaben (Esslingen – Konstanz rund 200km) die größere ZOE mit 41kW in Empfang nehmen. Die war am Morgen zurückgebracht worden und glücklicherweise voll geladen. Voll geladen heißt bei der ZOE 278km im Bordcomputer. Hier spiegelt sich schon die Realität wieder, was an dieser Stelle positiv zu sehen ist.

Hier einen schönen Dank an das Autohaus Fischer in Esslingen für die unkomplizierte Abwicklung.

Ich hatte im Vorfeld im Internet einige Seiten besucht, die e-Tankstellen sauber nach Ort auflisten und teilweise Hinweise enthalten zum aktuellen Status – es könnte ja sein, dass die Ladesäule gerade belegt ist. Weiterhin werden die Anzahl der Ladestellen und Steckertyp mit der jeweils verfügbaren Ladeleistung angegeben. Dies ist sehr wichtig zu wissen, da z.B. bei maximaler Ladeleistung von 22kW bei der ZOE immerhin 2 Stunden vergehen, bis der Akku voll geladen ist. Soviel vorab, wir kamen mit 30% Restladung und 100km verbleibender Reichweite in Stockach an der ersten Ladesäule an. Den Stadtwerken sei Dank, kostenloses Parken und Laden.

Interessant, erste Recherchen und Auflistungen zeigen jede Menge Ladesäulen an, an welchen kostenlos getankt… äh… geladen werden kann. Oftmals verbunden mit der Möglichkeit, kostenlos zu parken. Diese Großzügigkeit bei der E-Mobilität geht sogar noch weiter. Können alle E-Autos mit dem E in der Autonummer in Stuttgart auf allen Parkplätzen, welche ein Ticket vom Parkautomat benötigen, kostenlos parken. Eventuell nur bis zur maximal erlaubten Zeit, dann muss zusätzlich eine Parkscheibe eingelegt werden. Ein verschmerzbarer Aufwand, wenn man bedenkt, dass eine angefangene Stunde parken in Stuttgart 3,00-3,50 EUR kostet.

Nun aber zur ZOE. Kurze Einweisung reicht, Keyless Go aktiviert das Auto, sobald man das Auto aufgeschlossen hat und einsteigt. Ein Druck auf den Startknopf und im Display begrüsst einen die Meldung READY. Das war es, und mehr gibt es nicht!! Kein Motorengeräusch, absolute Stille (es sei denn man hat das Radio angeschaltet) Ansonsten fährt sich die ZOE wie jedes Automatik Auto, Wählhebel auf D oder R, ein Druck aufs Gaspedal und Los geht es.

Und dieses Losfahren ist irgendwie beeindruckend. Klar, die ZOE hat nur 68kW/91PS, aber die kommen recht beeindruckend daher, trotz des Mehrgewichtes der dicken 41kW Batterie von ca. 200kg. Kein lautes Ausdrehen, keine wilden Schaltorgien, Gasgeben und ruckzuck ist mein auf 80-100 km/h (technische Detail kann jeder nachlesen). Gefühlt (und getestet) lässt man einige Autos an der Ampel stehen, da der Druck aufs Gaspedal ohne jegliche Verzögerung daherkommt und so in der 1. Sekunde schon mal 10m hinter sich hat, bis der Mitstreiter erst mal eingekuppelt hat. Ziemlich cool. Wie wird sich das wohl in einem Tesla anfühlen…

Zum Sound gibt es dann aber doch einen kleinen, beklagenden Absatz. Laut europäischer Richtlinie müssen Elektroautos bei geringen Geschwindigkeiten ein Geräusch mit 50dbA abgeben, da das völlig geräuschlose dahingleiten inzwischen als Gefahr dargestellt wird, da sehbehinderte Menschen und Radfahrer die Fahrzeuge nicht hören.

Hier gibt es ziemlich Verbesserungsbedarf, klingt die ZOE im Bereich bis knapp 30km/h wie eine Kirchenklocke, die man kurz angeschlagen hat und nachklingt. Kein Mensch bzw. Radfahrer kommt auf die Idee, dass sich hinter diesem Geräusch ein Fahrzeug versteckt. Fährt man durch das Parkhaus, fallen die Menschen auf die Knie und beten… zumindest haben wir uns über den Sound ziemlich amüsiert.

Ich könnte mir hier per Menü verschiedene Sounds vorstellen, oder am besten gleich herunterladbare Sounds, so wie bei den Klingeltönen. Dann könnte man je nach Stimmungslage mit Hells Bells, Trabi Motor, Harley Davidson oder einfach einem Vierzylinder Sound durch die Gegend schleichen.

Einziger kleiner Rückschlag hat uns in Konstanz kalt erwischt. Nach einer 1-stündigen Zwischenladung waren wieder 80% im Akku, aber wir wollten ja noch weiter. Im Altstadt Parkhaus waren laut Internet 3 Ladestellen mit kostenlosem Strom, hier dann aber mit Parkgebühren von 1,50Eur/Std. Wir also rein ins Parkhaus und dann die erste Stromabfuhr, die voll ins Mark trifft. Stehen an den 3 Säulen ein Tesla, ein BMW und ein Twizzi… Tja, dumm das. Nun waren wir aber schon drin im Parkhaus und haben und entschlossen, für die Rückfahrt nochmals einen Zwischenstopp einzulegen. Wir sind im Elektrozeitalter angekommen, die Parkhäuser noch nicht. Ich verlange ja keinen kostenlosen Strom, nur eine ausreichende Versorgung wäre schon klasse.

Nach einem weiteren Zwischenstopp und einem Cappuccino – so wird man das beim Laden eingesparte Geld dann auch wieder los – sind wir dann zügig nach Waiblingen zurückgefahren, auf der B27 auch immer schön flott mit 120-135km/h, halt immer die Restladung und Reichweite im Auge.

So nebenbei hat uns der Renault Verkäufer noch eine erwähnenswerte Info mitgegeben. Seit ca. 2 Jahren rüsten die Discounter Lidl und Aldi seine Parkflächen mit Ladesäulen aus, an denen während der Einkaufes bis max. 1 Stunde kostenlos Strom gezogen werden kann. Wenn man sich mal kurz überlegt, wie viele Discounter der beiden es in Deutschland gibt, wäre dies ein echter Anreiz für ein E-Auto. Wir also schnell auf dem Rückweg noch bei Aldi in Waiblingen vorbeigeschaut und siehe, da… eine E-Ladestation. Und frei! Also schnell die ZOE angeschlossen und ein paar Einkäufe getätigt. Nach 25 Minuten zeigte die Ladesäule eine abgegebene Menge von 9,75kWh an. Bei einem Preis von rund 30Cent/kWh macht dies ganz grob 3 EUR oder Energie für rund 60km aus. Ziemlich cool, oder?

So nebenbei ist eine Ladesäule sehr kommunikativ, kommen direkt Passanten auf einen zu, schauen sich die ZOE an oder sprechen über alle möglichen Dinge, die sie an E-Autos interessieren. Wenn ich den Stecker nicht so früh abgezogen hätte, hätte ich die Stunde locker voll bekommen 😉

FAZIT: Ein E-Auto muss her. Vielleicht eine ZOE für meine Frau, in der Hoffnung, dass ich auch fahren darf, oder ein anderes Fahrzeug. Egal, aber eines ist klar, die Technik ist ausgereift, und ich bin überzeugt, dass die Akkus in wenigen Jahren bei gleicher Größe und Gewicht die doppelte oder dreifache Leistung haben werden.

Wahrscheinlich hätten sie diese Leistung bereits, wenn die Hersteller nicht die letzten 10-15 Jahre viele Milliarden in die Entwicklung leistungsfähiger Diesel- und Ottomotoren gesteckt hätte, sondern die eine oder andere Milliarde in die Batterieentwicklung investiert hätten. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist uns dieses Jahr um die Ohren geflogen. Der Ruf der deutschen Automobilindustrie ist auf Jahre hinaus beschädigt. Schade eigentlich… Schade, dass uns nun die ausländischen Firmen zeigen, wo der Hammer hängt, siehe Tesla, Renault, Hyundai. Alle mit 300 und mehr realen Kilometern an Reichweite.

Das war es fast…

Einen kleinen Verbesserungsvorschlag an Renault haben wir. Als es auf dem Rückweg kurz zu Regnen anfing hat der Automatikmodus kurz den Wischer angeschaltet. Hierbei habe ich mich kurz um 30 Jahre zurückversetzt gefühlt, an die Zeit, als ich mal einen Renault R4 hatte. Dieser Scheibenwischer beim R4 hatte die gleichen, dünnen, wackeligen Arme, an denen kleine, armselige Wischblätter hingen.

Da besteht echt noch Verbesserungspotential…

Nun aber ist gut, viel Spaß bei euren Erfahrungen mit den E-Autos.

Euer Horst

 

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