Canon Powershot G3X – Der Abschied…

Eigentlich wollte ich einen ausführlichen Testbericht zu meiner neuen Canon Powershot G3X schreiben und hatte mir dazu erste Pro/Contras nach dem Urlaub aufgeschrieben, bei dem ich meine DSLR zu Hause lies, wie folgt:
Pro:
  • sehr schneller Fokus (siehe fliegende Libelle)
  • Super Bildstabilisator, auch bei digitalem zusätzlichem Zoom von 2x = 1200mm Brennweite (KB)
  • keinerlei Farbsäume bisher festgestellt, egal, bei welcher Brennweite
  • die 600mm sind echt überragend. wenn man diesen Brennweitenbereich benötigt, kann man sich viele Tausend Euro teure Objektive sparen.
  • Moviefunktion klasse, auch wenn nur HD. Das kann halt meine DSLR gar nicht vernünftig
Contra:
  • Sucher vermisse ich extrem, ein Dreh-/Klappbildschirm wäre die bessere Variante für den Bildschirm, damit wären dann auch anständige Hochformat Motive möglich (wie bei der neuen 760D)
  • Bei Verwendung der Motivprogramme (HDR, Sportprogramm, etc.) schaltet Canon die Auflösung auf jpg normal runter. Damit fällt beinahe jegliche Nachbearbeitung ins Wasser, da schon extrem komprimiert wurde)
  • nur bis ISO 1600 anständige Bilder möglich, danach wird es echt gruselig…
  • Bildschirm spiegelt, wieder sind wir beim Sucher…
  • ich muss das mal bei den technischen Daten noch prüfen, aber ich habe keine Blende größer 11 hinbekommen. Für Gegenlichtaufnahmen in die Sonne sind aber deutlich höhere Blenden (16-22) notwendig, auch wegen der schönen Strahlen, die dadurch entstehen.
  • kurze Akkulaufzeit (300 Bilder zu 1500 bei der 60D). Ist vielleicht ungerecht, das zu vergleichen, allerdings ist die G3X teurer als der reine Body einer 60D inkl. Superzoom, daher darf man da schon etwas erwarten.
  • lahme Serienbildrate von 1 Bild/sec. bei RAW
Ich hatte dann noch experimentiert und alles mögliche probiert, aber letztendlich halten mich die vielen negativen Punkte vom eigentlichen Fotografieren ab. Mal kann ich keine Gegenlichtaufnahme machen, mal finde ich auf dem Bildschirm das Motiv nicht 😉 etwa einen fliegenden Greifvogel. Hier zeigt sich, dass es Aufnahmesituationen gibt, welche einen Sucher erfordern. Mit einem Sucher lassen sich bewegende Motive deutlich leichter verfolgen, erst recht bei hellem Tageslicht mit Sonnenschein. Und bei hochformatigen Bildern nützt der Klappbildschirm auch nichts, da dieser in die andere Richtung klappt.
Ja, es gibt einen SPowerShot-G3-X_Ambient_2_on_ledge_webucher als Zubehör, der kostet aber mal schlappe 250,- EUR und macht die Kamera um gute 2-3cm höher, so dass diese nicht in meine Lenkertasche passt. Diese Kompaktheit bei maximaler (vergleichbarer) Qualität wie bei der DSLR war der eigentliche Kaufgrund der Kamera.
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Bei der engeren Auswahl der G3X hatte ich zwar schon etwas in eine ganz andere Richtung geschaut und bin im MFT (Micro-Four-Third) Systemkamera Bereich gelandet, in dem die ganz neue Panasonic GX8 wildert. Allerdings zu einem Preis von 1200,- EUR + Objektiv!!
Größenmäßig hätte dies allerdings gepasst, nur finanziell schon ein Brocken. Da ich die letzten 14 Jahre mit Canon sehr zufrieden war, war dann die G3X die erste Wahl.
Die oben aufgeführten Contra-Punkte nervten schon ganz mächtig, konnte ich das noch gar nicht glauben, was Canon hier fabriziert hatte. Ich erwartete eine Ausstattung ähnlich einer kleinen Einstiegs-DSLR, bekam aber eine Kamera mit technisch sehr rückständigem Stand.
Als ich dann an verschiedene Belichtungsreihen ging, um später am PC HDR Aufnahmen zu erstellen oder Panoramen, ist mir dann der Geduldsfaden gerissen. Die RAW Serienbildrate liegt bei gerade mal 1 Bild/sec, obwohl Canon den neuen, schnellen DIGIC6 Bildprozessor verbaut. Jede alte Canon DSLR mit DIGIC4 Prozessor kann da deutlich mehr.
Jetzt war ich richtig angekratzt und habe wieder neu recherchiert und nochmals bei Panasonic geschaut.
Dabei bin ich dann auf die bereits 2 Jahre am Markt befindende Panasonic Lumix GX7 gestoßen, welche trotz ihres Alters von 2 Jahren faktisch die besseren Eckdaten bietet.
Einzig der riesige Brennweitenbereich der G3X von 24-600mm (KB) lässt sich nicht mit einem einzelnen Objektiv abdecken.
Da ich die Kamera jedoch als Ergänzung zu meiner DSLR für die Reise, Wandern oder Fahrradfahren wollte, stellte sich nun die Frage, welchen Brennweitenbereich MUSS man denn immer dabei haben. Mein Fazit und die Auswertung meiner seitherigen Bilder zeigte dann, dass sich zwischen 24mm und 300mm ca. 80% der Reisefotos bewegen. Dann noch ein großer Teil weitwinklige Fotos auf Städtereisen. Die richtigen Telefotos sind meistens im Zoo oder Tierpark entstanden.
Da das MFT Format ja mit Wechselobjektiven im Micro-Four-Third Format arbeitet (Crop-Faktor 2), kommt hier ein Brennweitenbereich 14-150mm dem sehr nahe, dies entspricht dann 28-300mm im Kleinbild-Format. Hier habe ich mich für das kostengünstige Tamron 14-150mm entschieden, welches zwar kein Stabilisator hat, jedoch macht dies die Lumix GX7 wieder wett. Diese hat einen eingebauten seonsorbasierten Stabilisator an Bord. Für den extremen Weitwinkelbereich muss ich dann auf die DSLR zurückgreifen, was bei Städtetouren geht, schiele aber auch schon auf ein MFT Weitwinkelobjektiv.
Ich schreibe noch eine eigene Rezession zur GX7, kann aber soweit schon für alle DSLR Fotografen die Kombi aus kleiner MFT Kamera und Objektiv nur empfehlen.
Ich bin sowohl von der Geschwindigkeit (Fokus als auch RAW Serienbild), dem eingebauten elektronischen Sucher und den sonstigen Funktionen hellauf begeistert.
Die Bildqualität – selbst mit dem Superzoom – ist schon mehr als gut, so dass ich demnächst mal Tests mit Festbrennweiten unternehme und mit dem Gedanken spiele, mein APS-C System aufzugeben.
Ein persönliches Wort an Canon:
Ich weis nicht, was euch bei der Festsetzung der technischen Merkmale geritten hat. War es der Versuch, den Abstand zu den eigenen DSLR Einstiegskameras groß zu halten? Das kann es nicht sein, ist der Spielraum an Möglichkeiten eines Wechselobjektivsystems immens und wird keinen DSLR Anwender dazu bewegen, seine Kamera in den Keller zu legen.
Ich spreche noch gar nicht von dem fehlenden Sucher (wobei dieser sinnvoller wäre als ein eingebauter Biltz, den man auf der Reise eher selten benötigt), sondern von der massiven Beschneidung einiger wichtiger Funktionen einer Highend Bridgekamera (RAW-Serienbildtempo, Automatik nur im JPG-Format, dto. bei allen Motivprogrammen, fehlender Klapp-/Drehbildschirm wie bei 760D, Belichtungsreihen nur mit 3 Bildern, Panoramafunktion bei Reisekamera zwingend, u.s.w.
Der Schuss ging vielmehr nach hinten los. Anstatt allen DSLR Usern mit dieser zur Zeit einmaligen Reisekamera mit dem riesigen Brennweitenbereich ein hochwertiges Werkzeug mitzugeben, welches selbst Nikon, Sony und Pentax User zu Canon wechseln lässt, da es nichts vergleichbares aktuell gibt, beschneidet ihr die technischen Möglichkeiten so dermaßen, dass nun eher der Run (der Canon User) auf kleine, hochwertige Systemkameras losgeht, welche tatsächlich zur Konkurrenz gehören, da diese wiederum eigene, auch sehr hochwertige, Objektive haben, welche dann genau das bewirken, was Canon auf keinen Fall haben wollte. Ein Wechsel weg von der DSLR!
Und ausgerechnet die 2 Jahre alte Lumix GX7 macht es vor, wie es gehen könnte. Zusammen mit Objektiv dann noch günstiger als die G3X. Schade…

5 Comments

  1. Winfried
    16. Februar 2016

    Hallo Horst. Habe heute noch deinen Verkaufseintrag bei DSL.Forum zur G3X gefunden, ist sie denn noch nicht verkauft? Ich habe meine GX7 wieder verkauft und behalte meine Lumix G70 dafür. Habe einiges an Objektiven dazu. Aber ich merke das mich die G3X doch ohne selbst getestet zu haben, mich nicht ganz in Ruhe läßt. Versuche gerade noch meine Canon m3 zu verkaufen, geht aber sehr schlecht, Canon Ruf ist da wohl zu ruiniert und viele Käufer Schrecken ab, obwohl die BQ echt klasse ist. Aber Canon hat eben keinen sau schnellen Fokus, was viele stört, ohne es wohl selbst probiert zu haben. Die gebrauchten G3X sind ja noch recht teuer, zum kaufen gibt’s genug davon, aber verkaufen geht wohl schlecht. Ob du mir privat schreiben kannst?

  2. Winfried
    12. Januar 2016

    Hallo Horst, wollte doch mal nachfragen ob die Canon G3 X schon verkauft ist und ob jetzt der Kamerabestand geändert wurde. Ich bin immer noch nicht ganz entschlossen die G3 X zu kaufen oder zu lassen. Wie war es denn mit Fotos bei wenig Licht? Könnte der Sensor da Punkte holen? Ich mag die Lumix Modelle und habe ja auch einige, aber kann er sich denn gegen die G3 X behaupten? Klar benötigt man am häufigsten das Tele im Tierbereich, extreme Naturaufnahmen oder für schöne freigestellte Details. Ist sie denn dafür fitt? Ein Tele von Olympus 75-300mm habe ich zwar für das MFT da, aber klein ist es ja auch nicht. Vergleichtest findet man wenig. Danke für deine Hilfe und weiter schöne Fotos, gleich mit welcher Kamera.

    • Hallo Winfried,
      ich habe die G3X tatsächlich schon einige Monate nicht mehr und mir sofort nach meinem Bericht die Panasonic Lumix GX7 gekauft inkl. dem Tamron 14-150mm.
      Ich bin total begeistert, da diese Kombination dieselbe Größe hat wie die Canon G3X, jedoch mit deutlich mehr Leistung.
      Die Serienbildfunktion ist um ein vielfaches höher, der geräuschlose Modus ist echt faszinierend, da man wirklich in völlig stillen Umgebungen (Schulung, Taufe, Vortrag, Standesamt, etc) Bilder schießen kann ohne zu stören. Der Sucher ist klasse und war ja ein Argument, warum ich umgestiegen bin.
      Und für das lange Ende habe ich mir das super Tele Lumix 100-300mm zugelegt, welches in der Kombi mit der GX7 um Welten schärfer ist als die G3x, trotz der 20MPixel und scheinbar mehr an Auflösung.
      Ich kenn das Olympus 75-300 nicht, kann nur sagen, dass 100-300er ist klein und leicht und hat einen Stabilisator.
      Hier ein paar Beispiele frei Hand auf meinem Flickr Account:
      https://flic.kr/p/Av4eAA
      https://flic.kr/p/AyKGs9

      Ich kann die GX7, obwohl es die sehr teure GX8 als Nachfolger gibt, nur empfehlen.

  3. Winfried
    26. Oktober 2015

    Hallo, ich besitze eine Canon 60D, eine Canon M3 und die Lumix GX7 und noch einige Fuji X Kameras. Meine frage ist eigentlich die, kann ich mir die Canon G3X sparen? wegen der Bildqualität und den Zoom wollte ich sie mir kaufen! Den Sucher habe ich. Mit der GX7 bin ich ja ganz zufrieden.

    • Hallo Winfried,
      Wenn sie eh die Lumix GX7 besitzen, würde ich zu dem Lumix 100-300mm tendieren, welches dann ebenfalls auf 600mm (KB) kommt und eine weitere Kamera sparen.
      Die 20MPix derG3X sind nicht wirklich zu sehen. Im diekten Vergleich zu meiner 60D mit 18MPix schneidet die 60D immer besser ab. Mit der GX7 hatte ich bisher sehr gute Ergebnisse auf hohem Niveau, trotz günstigem Tamron 14-150mm Objektiv.
      Ich denke,mit einem hochwertigen Objektiv erreicht man annähernd die Qualität der 60D.

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